Stromausfall auf dem Land – sinnvoll vorbereitet sein
Ein Stromausfall ist meist nur von kurzer Dauer. Trotzdem können schon wenige Stunden im Alltag spürbar werden – besonders dann, wenn nicht nur Licht und Steckdosen betroffen sind, sondern auch Heizung, Pumpen, Kühlung, Kommunikation oder elektrische Tore.
Gerade auf dem Land hängen manche Dinge stärker von elektrischer Technik ab als auf den ersten Blick gedacht. Wer sich vorher einige Gedanken macht und ein paar einfache Dinge griffbereit hält, kann einen Stromausfall wesentlich entspannter überbrücken.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt grundsätzlich, Haushalte so vorzubereiten, dass sie auch bei vorübergehenden Ausfällen wichtiger Versorgungsleistungen zunächst selbst zurechtkommen können.

Was passiert bei einem Stromausfall?
Fällt das öffentliche Stromnetz aus, funktionieren zunächst alle Geräte nicht mehr, die direkt auf Netzstrom angewiesen sind.
Offensichtlich betrifft das Beleuchtung, Fernseher oder Küchengeräte. Weniger offensichtlich ist, dass auch viele andere Systeme Strom benötigen. Dazu können gehören:
- Heizungssteuerung und Umwälzpumpen
- Wärmepumpe
- Pelletheizung
- Hauswasserwerk oder Brunnenpumpe
- Hebeanlage
- elektrische Garagen- und Hoftore
- Router und Festnetztelefon
- Kühl- und Gefriergeräte
- elektrische Rollläden
- Ladegeräte
- Weidezaungeräte oder andere Technik rund um Hof und Grundstück
Welche Auswirkungen ein Stromausfall tatsächlich hat, hängt deshalb stark vom jeweiligen Haus und seiner technischen Ausstattung ab.
Ein Hauswasserwerk benötigt beispielsweise Strom, um Wasser zu fördern. Eine Hebeanlage kann Abwasser nicht mehr abpumpen. Elektrische Tore lassen sich möglicherweise nur noch über eine mechanische Notentriegelung öffnen.
Auch eine Gefriertruhe mit größeren Lebensmittelvorräten oder elektrische Technik bei Tierhaltung und Grundstücksbewirtschaftung kann eine besondere Rolle spielen.
Einmal durchs eigene Haus gehen
Eine einfache Vorbereitung besteht darin, sich einmal bewusst zu fragen:
Was funktioniert bei uns eigentlich nicht mehr, wenn plötzlich kein Strom da ist?
Dabei lohnt sich ein Blick auf: Heizung, Wasser, Abwasser, Türen und Tore, Kommunikation, Kühlung, Beleuchtung und Geräte, die regelmäßig benötigt werden.
Oft fallen dabei Abhängigkeiten auf, an die man vorher gar nicht gedacht hat.
Licht – einfach, aber wichtig
Taschenlampen gehören zu den einfachsten und sinnvollsten Dingen für einen Stromausfall.
Idealerweise liegen sie an festen Stellen und sind auch im Dunkeln schnell erreichbar.
LED-Leuchten benötigen wenig Energie und können mit Batterien oder Akkus lange betrieben werden. Sinnvoll sind außerdem:
- Ersatzbatterien
- geladene Akkus
- Stirnlampe
- kleine batteriebetriebene Leuchten
Kerzen können zwar Licht geben, erhöhen aber das Brandrisiko. Batteriebetriebene Beleuchtung ist deshalb meist die unkompliziertere Lösung.
Handy, Internet und Kommunikation
Der heimische Router funktioniert bei einem Stromausfall normalerweise nicht mehr.
Mobiltelefone können zunächst weiterhin funktionieren, sofern Mobilfunknetze verfügbar sind. Bei längeren Stromausfällen können jedoch auch dort Einschränkungen entstehen.
Deshalb ist es sinnvoll, Mobiltelefone möglichst geladen zu halten und mindestens eine geladene Powerbank griffbereit zu haben.
Auch ein batteriebetriebenes oder kurbelbetriebenes Radio kann unabhängig von Internet und Mobilfunk Informationen liefern.
Heizung und Warmwasser
Auch Heizungen, die mit Gas, Öl oder Pellets betrieben werden, benötigen häufig Strom.
Steuerung, Brenner, Pumpen oder Fördersysteme funktionieren ohne elektrische Energie meist nicht.
Eine vorhandene Brennstoffreserve bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Gebäude bei einem Stromausfall weiter beheizt werden kann.
Bei Wärmepumpen ist die Abhängigkeit vom Strom besonders offensichtlich. Mehr dazu: Heizung bei Stromausfall – was funktioniert noch?
Photovoltaik hilft nicht automatisch
Auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach bedeutet nicht automatisch, dass während eines Stromausfalls weiterhin Strom im Haus vorhanden ist.
Normale netzgekoppelte Anlagen schalten sich bei einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes in der Regel ebenfalls ab.
Für eine Versorgung während des Netzausfalls braucht es eine geeignete Not- oder Ersatzstromlösung beziehungsweise ein System, das ein eigenes Inselnetz aufbauen kann. Mehr dazu: Photovoltaik bei Stromausfall – Notstrom & Insellösung →
Kühlschrank und Gefrierschrank
Bei einem Stromausfall sollte die Tür von Kühlschrank und Gefrierschrank möglichst geschlossen bleiben.
Je seltener warme Luft hineingelangt, desto länger bleibt die vorhandene Kälte erhalten.
Gerade bei einer Gefriertruhe lohnt es sich deshalb, nicht regelmäßig nachzusehen, ob die Lebensmittel noch gefroren sind.
Nach längeren Ausfällen sollte geprüft werden, ob Lebensmittel noch sicher verwendet werden können.
Trinkwasser und Hauswasserwerk
Bei Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz kann Wasser je nach örtlicher Situation zunächst weiterhin verfügbar sein.
Anders sieht es bei einem eigenen Brunnen oder Hauswasserwerk aus. Ohne Strom arbeitet die elektrische Pumpe nicht.
Wer davon abhängig ist, sollte diesen Punkt bei der persönlichen Vorsorge besonders berücksichtigen.
Ein kleiner Trinkwasservorrat im Haus ist deshalb unabhängig vom Versorgungssystem sinnvoll. Das BBK zählt Wasser und Lebensmittel ausdrücklich zu den grundlegenden Bestandteilen der privaten Vorsorge.
Abwasser und Hebeanlagen
Auch beim Abwasser kann Strom benötigt werden. Liegt beispielsweise ein Kellerbad unterhalb der Rückstauebene, wird das Abwasser häufig über eine Hebeanlage abgeführt.
Fällt diese aus, sollte die betreffende Installation möglichst nicht weiter benutzt werden, bis die Anlage wieder arbeitet.
Wer eine Hebeanlage besitzt, sollte deshalb wissen, welche Sanitäreinrichtungen davon abhängig sind.
Elektrische Tore und Rollläden
Ein Stromausfall kann ganz praktische Probleme verursachen.
Elektrische Garagentore, Hoftore oder Rollläden lassen sich ohne Strom möglicherweise nicht mehr über ihren normalen Antrieb bewegen.
Deshalb sollte bekannt sein, wie die jeweilige Notentriegelung oder manuelle Bedienung funktioniert.
Es ist besser, das einmal bei Tageslicht auszuprobieren, als die Bedienungsanleitung erst während eines Ausfalls zu suchen.
Was sollte griffbereit sein?
Eine aufwendige Spezialausrüstung ist für die grundlegende Vorbereitung nicht notwendig. Ein sinnvoll ausgestatteter Haushalt kann beispielsweise bereithalten:
- Taschenlampen
- passende Ersatzbatterien
- Powerbank
- batteriebetriebenes Radio
- Trinkwasser
- haltbare Lebensmittel
- notwendige Medikamente
- etwas Bargeld
- wichtige Telefonnummern und Kontaktdaten auf Papier
Der BBK-Ratgeber zur persönlichen Vorsorge enthält dazu eine ausführliche Checkliste für Haushalte.
Bargeld nicht vergessen
Kartenzahlung, Geldautomaten oder elektronische Kassensysteme können bei Strom- oder Kommunikationsausfällen ebenfalls beeinträchtigt sein.
Ein kleiner Bargeldbetrag zu Hause kann deshalb sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht darum, große Geldbeträge aufzubewahren, sondern im Bedarfsfall kleinere Einkäufe auch ohne elektronische Zahlung erledigen zu können.
Medikamente und medizinische Geräte
Wer regelmäßig Medikamente benötigt, sollte darauf achten, dass ein angemessener Vorrat vorhanden ist.
Bei elektrischen medizinischen Geräten muss individuell geklärt werden, welche Möglichkeiten es bei einem Stromausfall gibt.
Hier sollten die Vorgaben des Herstellers sowie ärztliche oder fachliche Hinweise beachtet werden.
Nachbarschaft kann helfen
Gerade im ländlichen Raum kann eine funktionierende Nachbarschaft ein großer Vorteil sein.
Vielleicht besitzt jemand einen Kaminofen, eine geeignete Notstromversorgung, Werkzeug oder besondere technische Kenntnisse.
Ebenso wichtig ist es, an Menschen zu denken, die möglicherweise Unterstützung benötigen.
Ein kurzer Austausch innerhalb der Nachbarschaft kann deshalb oft hilfreicher sein als komplizierte Notfallpläne.
Notstromaggregat – nicht einfach irgendwo aufstellen
Ein mobiles Stromaggregat kann eine mögliche Ergänzung sein, muss aber fachgerecht eingesetzt werden.
Verbrennungsmotoren erzeugen giftiges Kohlenmonoxid und dürfen deshalb niemals in Wohnräumen, Kellern, Garagen oder anderen geschlossenen Bereichen betrieben werden.
Auch eine Einspeisung in die Hausinstallation darf nicht improvisiert werden.
Soll ein Gebäude über einen Generator versorgt werden, gehört die Planung einer geeigneten Umschalteinrichtung in die Hände eines Elektrofachbetriebs.
Wenn der Strom wieder da ist
Nach einem Stromausfall lohnt es sich, zunächst kurz zu kontrollieren, ob alles wieder normal funktioniert.
Große elektrische Verbraucher können nach Möglichkeit zeitversetzt wieder eingeschaltet werden. Außerdem sollten beispielsweise überprüft werden:
- Heizungsanlage
- Pumpen
- Gefrierschrank und Kühlschrank
- elektrische Uhren
- Router
- Sicherheitstechnik
- Hebeanlagen
Manche Geräte benötigen nach einem Ausfall einen manuellen Neustart.
Wie wahrscheinlich sind größere Stromausfälle?
Das deutsche Stromnetz gilt als sehr robust. Die Bundesnetzagentur beschreibt das Übertragungsnetz als nach dem n-1-Prinzip abgesichert: Auch der Ausfall einzelner wichtiger Betriebsmittel soll grundsätzlich beherrschbar bleiben. Größere Störungen sind entsprechend selten.
Private Vorsorge bedeutet deshalb nicht, ständig mit einem großflächigen Blackout zu rechnen.
Sie hilft vielmehr bei ganz normalen Situationen – etwa technischen Störungen, Unwettern oder lokalen Schäden am Stromnetz.
Kurz zusammengefasst
Ein Stromausfall betrifft häufig mehr als nur Licht und Steckdosen.
Gerade auf dem Land können auch Heizung, Wasserpumpen, Hebeanlagen, Tore, Kühlung oder technische Einrichtungen auf dem Grundstück betroffen sein.
Wer weiß, welche Systeme im eigenen Haus Strom benötigen, und einige grundlegende Dinge griffbereit hält, ist bereits gut vorbereitet.
Vorsorge muss nicht kompliziert sein. Oft genügt es, die eigene Technik zu kennen und für einige Stunden unabhängig handeln zu können.
Quellen & weiterführende Informationen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe – Vorsorgen für Krisen und Katastrophen
- Bundesnetzagentur – Fragen zur Sicherheit des Stromnetzes
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