Wie entsteht Grundwasser – und warum reichen ein paar Regentage nicht?
Kurz erklärt: Grundwasser entsteht vor allem aus Niederschlag, der in den Boden eindringt und so weit nach unten sickert, dass er das Grundwasser erreicht. Doch längst nicht jeder Liter Regen wird zu Grundwasser. Ein Teil verdunstet, wird von Pflanzen aufgenommen oder fließt über die Oberfläche und Gewässer ab.
Deshalb können einige Regentage zwar den Garten wieder grün erscheinen lassen – tiefere Wasservorräte sind damit aber noch lange nicht automatisch aufgefüllt.
Vom Regentropfen zum Grundwasser
Trifft Regen auf eine unversiegelte Fläche, kann ein Teil des Wassers in den Boden eindringen. Zunächst werden die oberen Bodenschichten mit Wasser versorgt.
Pflanzen nehmen einen Teil davon über ihre Wurzeln auf. Gleichzeitig gelangt Wasser durch Verdunstung wieder in die Atmosphäre.
Erst wenn genügend Wasser vorhanden ist und es weiter durch den Boden und die darunterliegenden Schichten sickern kann, trägt es zur Grundwasserneubildung bei.
Wie viel Wasser tatsächlich dort ankommt, hängt unter anderem von Niederschlag, Temperatur, Boden, Vegetation, Gelände und den geologischen Verhältnissen ab.

Warum Herbst und Winter besonders wichtig sind
Für die Grundwasserneubildung sind die kühleren Monate häufig besonders bedeutend.
Während der Vegetationsperiode benötigen Pflanzen viel Wasser und bei höheren Temperaturen ist die Verdunstung größer. Im Herbst und Winter sinkt dieser Wasserbedarf deutlich. Gleichzeitig ist die Verdunstung geringer.
Dadurch kann ein größerer Anteil der Niederschläge im Boden verbleiben und in tiefere Schichten gelangen.
Das Winterhalbjahr spielt deshalb eine wichtige Rolle dabei, die im Sommer beanspruchten Wasservorräte wieder aufzufüllen.
Warum ein paar Regentage nicht ausreichen
Nach längeren Trockenperioden können zunächst erhebliche Wassermengen benötigt werden, um die ausgetrockneten Bodenspeicher wieder aufzufüllen.
Erst wenn ausreichend Wasser durch diese Bodenschichten sickert, kann es weiter in Richtung Grundwasser gelangen.
Das erklärt einen zunächst überraschenden Zusammenhang:
Ein nasser Boden an der Oberfläche bedeutet nicht automatisch, dass sich auch der Grundwasserstand bereits erholt hat.
Je nach Standort kann das Grundwasser außerdem zeitlich verzögert auf Niederschläge reagieren.
Sachsen: Grundwasserneubildung ist zurückgegangen
Die langfristigen Beobachtungen in Sachsen zeigen eine deutliche Entwicklung.
Nach Angaben des LfULG hat die steigende potenzielle Verdunstung bei nahezu unverändertem Niederschlag im Zeitraum von 1961 bis 2020 die Grundwasserneubildung systematisch verringert.
Im sächsischen Mittel ging die Grundwasserneubildung dabei um rund 20 Prozent zurück.
Besonders problematisch waren die trockenen Jahre seit 2014. Für den Zeitraum 2014 bis 2020 lag die Sickerwasserbildung im sächsischen Gebietsmittel etwa 30 Prozent unter dem Klimamittel von 1961 bis 1990.
Die Grundwasserdürre der Jahre 2018 bis 2020 fiel entsprechend stärker aus als frühere Trockenperioden.
Die Entwicklung ist regional unterschiedlich
Nicht überall in Sachsen reagiert der Wasserhaushalt gleich. Boden, Gestein, Höhenlage, Vegetation und Niederschlagsverhältnisse unterscheiden sich teilweise erheblich.
Das LfULG weist beispielsweise darauf hin, dass Gebiete mit größeren Grundwasserflurabständen besonders empfindlich reagieren können. Dazu gehören unter anderem Bereiche des Zittauer Gebirges.
Auch Untersuchungen entlang der Lausitzer Neiße zeigen, dass sich Sommer- und Winterhalbjahr unterschiedlich entwickeln können. Während für die untersuchten Gebiete im Sommer tendenziell eine abnehmende Grundwasserneubildung festgestellt wurde, zeigten Gebiete entlang der Lausitzer Neiße im Winterhalbjahr teilweise zunehmende Entwicklungen.
Für einzelne Orte lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ein konkreter Grundwasserstand ableiten. Dafür sind lokale Messungen und die jeweiligen geologischen Verhältnisse entscheidend.
Auch 2025 und 2026 zeigen, wie empfindlich das System ist
Das Jahr 2025 brachte erneut ungünstige Bedingungen für die Grundwasserneubildung.
Nach Angaben des LfULG blieben aufgrund deutlich unterdurchschnittlicher Niederschläge im Februar und März wichtige Niederschlagsüberschüsse für die Sickerwasserbildung weitgehend aus. Auf leichten und mittleren Böden wurde eine außergewöhnlich geringe Grundwasserneubildung beobachtet.
Auf untersuchten schweren Lössböden wurde sogar das elfte Jahr in Folge keine Sickerwasserbildung festgestellt.
Die Folgen waren auch 2026 noch sichtbar: Im April 2026 berichtete das Landeshochwasserzentrum von einem seit März 2025 bestehenden und sich weiter verschärfenden Grundwasserdefizit in Sachsen.
Auch im Oberlausitzer Bergland wurden im April 2026 auffällig stark fallende Grundwasserstände und Quellschüttungen beobachtet.
Was bedeutet das für unser Landleben?
Grundwasser ist ein Speicher, der sich nicht beliebig schnell auffüllen lässt.
Deshalb ist nicht nur wichtig, wie viel Regen fällt, sondern auch, ob Wasser ausreichend Zeit und geeignete Flächen findet, um in den Boden einzudringen und weiter zu versickern.
Unversiegelte Böden und Möglichkeiten zur Versickerung spielen dabei eine wichtige Rolle. Regenwasser möglichst vor Ort zurückzuhalten und dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zuzuführen, kann die Grundwasserneubildung unterstützen.
Für uns auf dem Land bedeutet das vor allem: Wasser, Boden, Vegetation und Grundwasser sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Sie sind Teile desselben Wasserkreislaufs.
Quellen und weiterführende Informationen
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG): Klimafolgenmonitoring – Grundwasserneubildung
LfULG: KliWES 3.0 – Klimawandel und Wasserhaushalt in Sachsen
Landeshochwasserzentrum Sachsen: Gewässerkundlicher Monatsbericht April 2026
LfULG: Wetter trifft auf Klima – Jahresrückblick 2025
LfULG: NEYMO – Wasserhaushalt und Klimawandel im Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
Stand der Informationen: August 2026
Rubrik Wasser & Klimawandel
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