Sohland-Rotstein.de Für Bewohner, Gäste und Leute mit Heimweh.
Es war einer dieser Sommertage, an denen das Dorf stiller wirkte als sonst. Die Sonne stand über den Feldern, irgendwo summten Bienen, und vom Schwarzen Schöps her kam die kühle Luft des Wassers herüber. Im Schatten der alten Bäume war es angenehm kühl.
Mats und Lina waren zehn Jahre alt und kannten Sohland eigentlich ziemlich gut. Zumindest glaubten sie das. Sie wussten, wo man am Bach am besten über die Steine springen konnte, kannten die Wege durchs Dorf und wussten, an welcher Stelle im Wald man besonders viele Zapfen fand.
An diesem Nachmittag hatten sie allerdings ein Problem: Ihnen war langweilig.
„Wir könnten zum Bach gehen“, sagte Mats und stocherte mit einem Stock im Gras. „Da waren wir gestern“, antwortete Lina. „Dann zum Wald.“ – „Da waren wir vorgestern.“ Mats dachte kurz nach. „Dann können wir eigentlich wieder nach Hause.“ Lina sah ihn an. „Du bist manchmal wirklich erschreckend einfallslos.“
Sie gingen trotzdem los. Ohne richtiges Ziel. Vorbei an alten Häusern, über einen schmalen Weg und schließlich dorthin, wo die letzten Gärten aufhörten und der Wald begann.
Hier war es sofort anders. Das Licht fiel nur noch in einzelnen hellen Flecken durch die Blätter. Farn wuchs am Wegrand, und irgendwo klopfte ein Specht gegen einen Baum.
Mats blieb plötzlich stehen. „War der Weg schon immer da?“
Lina folgte seinem Blick. Zwischen zwei großen Bäumen führte ein schmaler Pfad in den Wald. Eigentlich war es kaum mehr als eine Spur. Gras wuchs in der Mitte, Äste lagen darüber, und die Büsche standen so dicht am Rand, als hätte lange niemand diesen Weg benutzt.
Lina trat näher. An einem Baum hing ein kleines, verwittertes Holzschild. Darauf war kein Wort zu erkennen. Nur ein Zeichen: ein Kreis, in dem drei geschwungene Linien zu sehen waren.
„Kennst du das?“, fragte Lina.
Mats schüttelte den Kopf. Er zog sein Handy aus der Tasche und öffnete die Karte. „Hier ist gar kein Weg.“
Lina grinste. „Dann ist es wahrscheinlich ein guter.“
„Oder er endet nach zwanzig Metern im Gebüsch.“
„Das können wir ja herausfinden.“
In diesem Moment raschelte es über ihnen. Ein Eichhörnchen sprang auf einen Ast. Es blieb sitzen und sah die beiden ungewöhnlich lange an. Dann sprang es auf den nächsten Baum. Und noch einen. Immer genau entlang des unbekannten Pfades.
Lina hob eine Augenbraue. „Hast du das gesehen?“
„Es ist ein Eichhörnchen.“
„Ich weiß, wie ein Eichhörnchen aussieht.“
Das Tier verschwand zwischen den Blättern. Für einen Moment war alles still. Dann hörten sie etwas.
Klopf.
Mats sah Lina an.
Klopf. Klopf.
Das Geräusch kam aus dem Wald. Nicht von einem Specht. Dafür war es zu langsam.
Lina machte einen Schritt auf den Pfad zu, doch Mats hielt sie am Rucksack fest. „Moment.“
Neben dem alten Holzschild lag etwas zwischen den Wurzeln. Mats bückte sich und zog es heraus. Eine kleine Metalldose. Rostig, verdreckt und auf dem Deckel war dasselbe Zeichen eingeritzt wie am Baum: der Kreis mit den drei geschwungenen Linien.
Lina kniete sich neben ihn. „Mach sie auf.“
Mats zögerte. „Vielleicht gehört sie jemandem.“
Lina sah sich um. „Ja. Bestimmt jemandem, der sie seit hundert Jahren hier liegen lässt.“
Mats öffnete vorsichtig den Deckel. Darin lag nur ein einziges Stück Papier. Vergilbt und mehrfach gefaltet.
Lina nahm es heraus. Auf der Vorderseite stand mit verblasster Schrift:
Für diejenigen, die den Weg noch sehen können.
Darunter war eine kleine Zeichnung. Zwei Kinder. Ein Wald. Und ein Weg, der zu einem Berg führte.
Mats schaute noch einmal auf sein Handy. Dann auf den schmalen Pfad. Dann auf Lina.
Aus dem Wald kam erneut das Geräusch.
Klopf.
Diesmal etwas näher.
Lina faltete den Zettel zusammen. „Also?“
Mats steckte das Handy ein.
Vor ihnen führte der unbekannte Weg zwischen den Bäumen hindurch. Hinter ihnen lag Sohland. Und irgendwo vor ihnen wartete etwas, das auf keiner Karte eingezeichnet war.
A: Mats und Lina folgen dem geheimnisvollen Waldweg.
B: Sie gehen zuerst zum Schwarzen Schöps, weil auf der Rückseite des Zettels ein kleines Wassersymbol zu sehen ist.
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